Online Kolumne: Zwischen Par und Paragraf – Folge 1

Juristische Abschläge mit Haltung, Humor und Hund

Feuchtes Gras, fester Stand – und wacklige Klagen

Neulich auf Bahn 9. Ich will gerade abschlagen, da schießt Lexi durchs Semi-Rough – hinter einer Wespe her, die ihr offenbar rechtlich verdächtig vorkam. Die Etikette im Nacken, das Insekt im Fokus. Ich rutsche ab, irgendwas zwischen Würdeverlust und Zerrung, und mein Flightpartner fragt trocken: „Und, haftet da jetzt eigentlich der Club?“

Tja, zwischen Par und Paragraf gibt’s mehr Gemeinsamkeiten, als man denkt. Beides verlangt Standfestigkeit, Übersicht – und eine gewisse Schmerzfreiheit, wenn man danebenliegt.

Die juristische Frage:

Eine Golferin in München hat genau diese Frage nach der Haftung dem Gericht gestellt. Sie stürzte auf feuchtem Gras zwischen zwei Bahnen, zog sich eine Bänderverletzung zu – und verlangte vom Golfclub rund 2.000 Euro Schadensersatz sowie ein Schmerzensgeld in Höhe von 4.000 Euro.

Das Landgericht?

Blieb cool wie das Bag im Schatten. Feuchtes Gras, so die Richter, gehört nun mal zur Natur des Spiels. Wer hier ausrutscht, hat keinen Anspruch – sondern bestenfalls eine Lektion in Eigenverantwortung.

Besonders pikant: Die Klägerin war langjähriges Clubmitglied. Das Gericht meinte sinngemäß: Wer den Platz kennt, kennt auch seine Macken. Und wer weiß, dass es an Loch 6 bei Nieselregen glitschig wird, sollte nicht überrascht sein, wenn er dort wegrutscht wie auf frisch poliertem Parkett.

Die Botschaft: Wer Golf spielt, kennt das Wetter. Wer den Platz kennt, kennt die Tücken. Und wer trotzdem stürzt, haftet oft selbst – nicht der Betreiber.

Ninas Notiz am Bag: „Du kannst nicht jeden Schlag kontrollieren – aber wo du hintrittst, das ist dein Bier.“

Und noch eins zum Schluss: Der Platz mag gepflegt sein, die Umgangsformen sind es nicht immer. Wer auf nassem Gras ausrutscht, braucht vielleicht keinen Anwalt – sondern einfach ein bisschen Nachsicht mit sich selbst. Golf ist ein Spiel mit Tücken, ja. Aber eben auch eins mit Haltung. Und wer die mitbringt, steht meist fester als jede Haftung.

Autorin: Nina Green

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