Im Golf spielen Routinen eine zentrale Rolle, um mehr Konstanz, Sicherheit und mentale Stabilität zu entwickeln. Wiederkehrende Abläufe helfen dabei, Ruhe zu bewahren und Entscheidungen effizient zu treffen. Doch welche Arten von Routinen gibt es? Das erklären wir in diesem Beitrag und im Interview mit Peter Koenig, Leiter der erfolgreich golfen Akademie.
Mit Routinen zu mehr Gelassenheit und Konstanz
Routinen sind im Golfsport weit mehr als bloße Gewohnheiten. Sie beschreiben ein eingeübtes, standardisiertes Vorgehen, das Spielern hilft, ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren. Dabei geht es ausdrücklich nicht um technische Schwunggedanken, sondern um wiederkehrende Abläufe, die das mentale Spiel stärken sollen.
Peter Koenig ist Head-Pro bei GOLF absolute und leitet die Peter Koenig Golf-Akademie seit ihrer Gründung im Jahr 2016. Er weiß: Wer auf Routinen vertraut, denkt weniger nach und kommt schneller ins Tun. „Routinen sparen Zeit und Kapazitäten. Das reduziert Stress, gibt Sicherheit und bildet eine wichtige Grundlage für die Konstanz. Gleichzeitig sorgen Routinen für ein besseres Spieltempo“, sagt der erfahrene Golf-Pro.
Diese Arten von Routinen gibt es:
- Im Training: Aufwärm-Routinen und Routinen auf der Range
- Routinen zur Runden-Vorbereitung
- Auf dem Platz: Schlagroutine inklusive Post-Shot-Routine
- Routinen zwischen den Schlägen
- Saison- und Turnier-Routinen
Routinen begegnen Golfspielern in allen Bereichen: Im Training helfen sie dabei, gezielt an Schwerpunkten zu arbeiten und den Lernprozess zu strukturieren. Aufwärm- und Vorbereitungsroutinen sind vor der Runde wichtig, um ins Schwunggefühl kommen. Auf dem Platz sind eine Schlagroutine und Routinen zwischen den Schlägen wichtig. Unnötiges Grübeln kann so verhindert werden und ein Rahmen entstehen, der Orientierung gibt.

Eine Schlagroutine entlastet
Eine wirksame Schlagroutine besteht aus mehreren Elementen, sagt Peter Koenig. Sie muss bestimmte Anteile enthalten, damit sie wirksam sein kann: „Da reicht es nicht, einfach hinter den Ball zu gehen, sich ein Zwischenziel zu suchen und dann draufzuhauen.“ Der erste Schritt beinhalte die Analyse der Situation: Wie ist meine Ball-Lage? Wo ist mein Ziel? Was sind mögliche Hindernisse und wie ist heute meine Schlagtendenz?
Im zweiten Schritt folgt die Routine am Ball. Zuerst sollte ein klarer Zielbezug hergestellt werden, indem das Ziel anvisiert und der Ball-Flug visualisiert wird – vom Start über die Flugbahn bis zum Ausrollen des Balls. Im nächsten Schritt erfolgt die kinästhetische Antizipation des Schwungs: Der Spieler ruft das Gefühl einer gelungenen Bewegung mental ab. Danach setzt er sich ein inneres Startsignal und lässt den Schwung einfach geschehen.
Nach dem Schlag folgt die Rückmeldung, auch Post-Shot-Routine genannt: Gute Schwünge sollten mit einem mentalen (oder körperlichen) Trigger verknüpft, eher misslungene Ergebnisse bewusst überschrieben werden.
Panik auf dem Platz! Welche Routinen jetzt helfen
Es gibt Momente, in denen auf dem Platz plötzlich nichts mehr funktioniert – was kann man dann tun? Gerade in solchen Situationen entfalten Routinen ihre größte Stärke, weiß Peter Koenig. Visualisierungen wie ein gedankliches Stoppschild könnten helfen, negative Gedankenspiralen zu unterbrechen. Auch kleine, vertraute Handgriffe oder die bewusste körperliche Wahrnehmung von Atmung, Schritten oder dem Kontakt zur Erde können den Fokus wieder in die Gegenwart bringen.
Hilfreich sei auch die Konzentration auf einen einzigen Handlungsschwerpunkt: „Wichtig ist, nicht mehrere technische Details durchzugehen. Die Fokussierung auf eine grundlegende Körpererfahrung wie die Balance oder das Gefühl des Schlägerkopfes ist besser“, sagt Koenig. Von technischen Analysen des Schwungs in Stressmomenten rät er ab, weil sie die Gedankenwelt zusätzlich beunruhigen.
Routinen zum Ausprobieren:
- Vor dem Schlag: Hinter den Ball stellen, Lage analysieren, Zielpunkt wählen
- Am Ball: Ein ruhiger Blick zum Ziel, Flugbahn visualisieren, einmal tief durchatmen, dann Schwung abrufen
- Nach dem Schlag: Positive Ergebnisse mit einem Trigger verankern, z.B. den Handschuh einmal kurz ausziehen
- Zwischen den Schlägen: Auf dem Weg zum Ball bewusst die Umgebung wahrnehmen – keine Analyse des Schlags
Wie ein Golf-Pro helfen kann
Beim Aufbau einer funktionierenden Routine kann ein Golf-Pro wertvolle Unterstützung leisten. Denn viele Golfspielende schätzen ihre eigenen Routinen falsch ein – sie verwechseln das Durchgehen technischer Punkte mit einer flüssigen Routine. Das kann lähmen und führt selten zum Erfolg. Ein Golf-Pro gibt durch eine individuelle Analyse Hilfestellung.
Laut Peter Koenig ist dies der effizientere Weg zu einer guten Routine: „Ein Pro erkennt schnell, ob die Routinen und Gedanken, die jemand hat, die richtigen sind. Und er erkennt Ursache und Wirkung“, erläutert er. „Ohne professionelle Hilfe werkeln viele Spieler nur an den Symptomen herum.“ Eine gute Routine sei dabei ausschlaggebend für mehr Konstanz, eine bessere Spielstrategie und vor allem die mentale Stärke und Selbstsicherheit, die es auf der Runde braucht.

Peter Koenig ist geschäftsführender Gesellschafter der Erfolgreich Golfen GmbH, dem Kooperationspartner von GOLF absolute und Leiter der Peter Koenig – erfolgreich golfen Akademie. Sie wurde 2000 gegründet. Heute ist sie die größte Golfschule im deutschsprachigen Raum mit 19 Golf-Pros, die seit 2016 an neun GOLF absolute-Anlagen unterrichten. Mehr Infos, auch zu Peter Koenigs Kursangeboten, unter: www.erfolgreich-golfen.de
Interview mit Peter Koenig: „Gute Golfspieler müssen gute Buchhalter und Schauspieler sein“
Peter Koenig erläutert, warum Routinen ein wichtiger Bestandteil des mentalen Spiels sind und wie Golferinnen und Golfer sie gezielt einsetzen können, um ihre Leistung zu verbessern.
Routinen gibt es im Golfspiel in vielfacher Form – wieso sind sie so wichtig?
Routinen sind bedeutend für das mentale Spiel. Viele Golfspieler sind mit ihren Gedanken in der Zukunft oder beim vergangenen Schlag. Die Routine holt mich in die Gegenwart. Durch einstudierte Abläufe denke ich weniger nach, kann den Schwung einfach geschehen lassen. Bei Profispielern kann man beobachten, dass ihre Routine oft auf Sekundenbruchteile dieselbe ist – was den Rhythmus betrifft sowie den zeitlichen Ablauf.
Welchen Tipp gibst du Golfspielern, um eine effiziente Schlagroutine aufzubauen?
Eine gute Pre-Shot-Routine enthält einen analytischen und einen kreativen Teil. Ich spreche bildlich gern von „Buchhaltern“ und „Schauspielern“. Zuerst betrachtet der Buchhalter nüchtern die Situation und bewertet sie. Der kreative Teil des Schauspielers beginnt am Ball, indem man sich Flugbahn und Rollverhalten vorstellt und das Schwunggefühl mental abruft. Gute Golfspieler müssen also gute Buchhalter und Schauspieler sein.
Wie sieht eine gute Routine zur Runden-Vorbereitung aus?
Die Runden-Vorbereitung sollte alle Schläge umfassen – vom Putten, über Chips, Pitches und Bunkerschläge und anschließend das Durchspielen von den kurzen Eisen zu den längeren Schlägern. Dabei sollte man sich auf weniger Bälle beschränken, denn auf dem Platz hat man ja auch nur einen Ball, nicht 30. Spielt man also drei bis vier Bälle pro Schläger auf ein Ziel ähnelt das mehr der realen Platzsituation.
Was sind gute Routinen zwischen den Schlägen?
Das Problem beim Golfspiel ist, dass wir viel Zeit zwischen den Schlägen haben. So kann man schnell ins Grübeln kommen, besonders wenn es gerade nicht gut läuft. Eine Strategie ist die bewusste Ablenkung zwischen den Schlägen, etwa indem man am Bag und beim Weitergehen die Natur genießt oder sich unterhält. Der Fokus wird erst wieder am Ball „eingeschaltet“. Oder man führt gesteuerte Selbstgespräche, die positiv sind und nicht selbstkritisch.
Vielen Dank für das Gespräch.


