Im Einklang mit der Natur – Ein Gespräch mit Imker Michael Wetzel

Mitten auf unserer Golfanlage in Biblis-Wattenheim summt es leise. Zwischen Grüns, Bäumen und blühenden Randflächen leben sie: mehrere Bienenvölker, betreut von Imker Michael Wetzel. Was auf den ersten Blick wie ein stilles Detail wirkt, ist in Wahrheit ein lebendiger Beitrag zur Artenvielfalt und ein Beispiel dafür, wie Nachhaltigkeit ganz konkret erlebbar wird.

Im Gespräch erzählt Michael Wetzel von der besonderen Rolle der Bienen, von seiner eigenen Reise zur Imkerei und davon, was wir alle von diesen kleinen, oft unterschätzten Tieren lernen können.

Kleine Tiere, große Wirkung

Bienen sind im Grunde ein Ausdruck für Wachstum und Weiterbestehen“, sagt Wetzel. Ihre Arbeit beginnt dort, wo wir oft nur Schönheit sehen: an Blüten. Sie sammeln Nektar und Pollen und sorgen dabei ganz nebenbei für die Bestäubung von Pflanzen. Ohne diesen Prozess gäbe es keine Früchte, kein Obst, keine Vielfalt.

Was die Bienen auf unserer Anlage besonders macht, ist dabei nicht nur ihre Aufgabe, sondern auch ihr Umfeld. Am Rande des Golfplatzes finden sie einen geschützten, ruhigen Lebensraum – mit ausreichend Sonne, vielfältiger Vegetation und genau den Bedingungen, die sie brauchen, um ihre Brut aufzuziehen.

„Hier stehen sie richtig“, sagt Wetzel. „Ruhig, sonnig und mit vielen Blühpflanzen in der Umgebung. Das ist für die Bienen ideal.“

Gleichzeitig tragen sie dazu bei, dass genau diese Umgebung weiter gedeiht. Ein Kreislauf, der zeigt, wie eng Natur und Nutzung miteinander verbunden sein können.

Warum Bienen unverzichtbar sind

Die Bedeutung der Bienen für die Nachhaltigkeit lässt sich kaum überschätzen. Wetzel bringt es auf den Punkt: „Wenn Insekten verschwinden – allen voran die Bienen – sterben langfristig auch die Pflanzen.“

Bienen sind damit ein zentraler Bestandteil eines funktionierenden Ökosystems. Sie verbinden, was oft getrennt gedacht wird: Natur, Landwirtschaft und menschliches Leben.

Ein Standort, der schützt und fördert

Dass die Golfanlage selbst aktiv zum Bienenschutz beiträgt, zeigt sich in vielen Details. Die Völker stehen bewusst in einem grünen Streifen, fern vom Spielbetrieb. Gleichzeitig profitieren sie von der Vielfalt der umliegenden Pflanzen: Akazien, Linden, Rapsfelder und viele weitere Blühpflanzen bieten über das Jahr hinweg Nahrung.

„Alles, was hier blüht, ist für die Bienen wertvoll“, erklärt Wetzel. „Und umgekehrt profitieren auch die Pflanzen von ihnen.“

Es ist dieses Zusammenspiel, das die Anlage zu einem besonderen Ort macht – nicht nur für Golfer, sondern auch für die Natur.

Honig mit Herkunft und Charakter

Wer den Honig von Michael Wetzel probiert, schmeckt genau diese Vielfalt. Anders als industriell verarbeiteter Honig aus dem Supermarkt ist sein Honig ein reines Naturprodukt – regional, unverfälscht und handwerklich hergestellt.

„Ich weiß genau, was drin ist, weil ich jeden Schritt selbst mache“, sagt er. Vom Aufstellen der Völker bis zum Abfüllen ins Glas liegt alles in seiner Hand.

Das Ergebnis: Honig, der je nach Blüte unterschiedlich schmeckt. Mal mild und hell, wenn die Akazien blühen. Mal kräftiger, wenn andere Pflanzen dominieren. Jede Ernte erzählt ihre eigene Geschichte.

Gerade deshalb ist Regionalität für Michael Wetzel mehr als nur ein Herkunftsmerkmal. Wer regionalen Honig kauft, weiß, woher er kommt und wie er verarbeitet wird. Bei vielen Honigen aus EU- und Nicht-EU-Ländern bleibt die genaue Herkunft dagegen oft unklar, da Honige aus verschiedenen Ländern miteinander vermischt werden. Zudem geraten importierte Honige immer wieder wegen möglicher Zucker- oder Sirup Zusätze in die Kritik. Häufig stehen auch die Bedingungen der industriellen Imkerei im Fokus – etwa der Umgang mit den Bienenvölkern, Massentransporte oder eine rein auf Ertrag ausgelegte Haltung. Bei Michael Wetzel ist das anders: Sein Honig bleibt naturbelassen, ohne Zusätze und ohne lange Transportwege. Im Mittelpunkt stehen gesunde Bienenvölker, eine sorgfältige Arbeitsweise und der respektvolle Umgang mit Natur und Tier. So entsteht ein Produkt, das nicht nur ehrlich schmeckt, sondern auch für Transparenz, Qualität und Verantwortung steht.

Qualität erkennen und bewusst wählen

Für Verbraucher ist die Qualität von Honig nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Wetzel empfiehlt, genau hinzuschauen und auf transparente Herkunfts- und Inhaltsangaben zu achten.

So ist neben dem direkt über den lokalen Imker vermarkteten Honig auch das Honigglas des Deutschen Imkerverbundes im Einzelhandel ein Symbol für Qualität und Transparenz im Honighandel. Es ist speziell gestaltet, um den Honig von Mitgliedern des Verbundes abzufüllen und zu verkaufen. Diese Gläser tragen das offizielle Siegel des D.I.B. und stehen für die Einhaltung strenger Qualitätsrichtlinien: für nachvollziehbare Qualität. Kurze Wege, keine industrielle Vermischung, keine standardisierte Vereinheitlichung.

Oder einfacher gesagt: ein ehrliches regionales Produkt.

Vom Hobby zur Leidenschaft

Zur Imkerei kam Michael Wetzel eher zufällig: „Ich esse gerne Honig“, erzählt er. „Und irgendwann hat mir der aus dem Supermarkt einfach nicht mehr geschmeckt.“

Ein geschenktes Bienenvolk war der Anfang. Was folgte, war eine intensive Lernphase und schließlich Begeisterung. Heute betreut er rund 15 bis 17 Bienenvölker.

Besonders faszinierend ist für ihn die Ruhe, die die Arbeit mit den Bienen mit sich bringt. Nach einem beruflichen Leben mit viel Verantwortung und hohem Tempo ist die Imkerei für ihn ein Ausgleich.

Ein Jahresrhythmus im Einklang mit der Natur

Die Arbeit eines Imkers folgt keinem festen Tagesplan, sondern den Jahreszeiten. Im Winter kehrt Ruhe ein, im Frühjahr beginnt die Kontrolle der Völker, im Sommer die intensive Phase mit Pflege, Honigernte und Betreuung.

„Man arbeitet mit der Natur, nicht gegen sie“, sagt Wetzel.

Das bedeutet auch, Verantwortung zu übernehmen: etwa bei der Behandlung von Krankheiten oder beim Schutz der Völker vor Parasiten. Ohne diese Unterstützung könnten viele Bienenvölker heute nicht mehr überleben.

Verantwortung, die wir alle tragen

Auf die Frage nach seinen Wünschen für die Zukunft wird Wetzel nachdenklich. Sein Blick richtet sich weniger auf die Imkerei selbst, sondern auf den Umgang mit unserer Umwelt.

„Wir machen vieles zu sauber, zu ordentlich“, sagt er. „Aber genau das fehlt den Bienen.“

Blühflächen verschwinden, Wiesen werden früh gemäht, Strukturen wie Hecken oder Brombeersträucher gehen verloren. Dabei sind es gerade diese „unaufgeräumten“ Bereiche, die Lebensraum bieten.

Sein Wunsch ist klar: mehr Vielfalt, mehr Mut zur Natur.

Und jeder Einzelne kann dazu beitragen. Schon kleine Maßnahmen machen einen Unterschied:

  • bienenfreundliche Pflanzen auf Balkon oder im Garten
  • Blühzeiten über den Sommer hinweg berücksichtigen
  • Flächen nicht zu früh oder zu häufig mähen

„Ab Juni wird es für die Bienen schwierig“, erklärt er. „Alles, was dann noch blüht, hilft.“

Mehr als nur Honig

Dass der Honig inzwischen auch im Golfclub verkauft wird, ist für Wetzel mehr als nur ein Vertriebskanal. Es ist eine Verbindung zwischen Mensch und Produkt – zwischen Ort und Erlebnis.

Wer den Honig kauft, nimmt ein Stück dieser Anlage mit nach Hause. Ein Stück Natur, das hier entstanden ist.

Autorin:
Lea Grimm, GOLF absolute Redakteurin
Quellen:
https://deutscherimkerbund.de/zahlen-fakten/

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