Der Driver ist der längste Schläger im Bag und für die meisten Golfspieler die Allzweckwaffe, um lange Abschläge zu erreichen. Doch ist er auch immer die beste Wahl?

In diesem Beitrag unserer Golf-Essentials stellen wir die wichtigsten Fakten rund um den Driver vor und verraten, welche Aspekte für eine strategisch kluge Schlägerauswahl wichtig sind.

Wissenswertes rund um den Driver

Man steht auf dem Platz, rund 400 Meter liegen zwischen Abschlag und Loch – da ist für viele Spieler der Griff zum Driver eine Selbstverständlichkeit. Schließlich lassen sich mit dem längsten Schläger im Bag die längsten Weiten erzielen. Das hängt auch mit dem sogenannten „Trampolin-Effekt“ zusammen, der dadurch entsteht, dass der Schlägerkopf des Drivers innen hohl ist und eine relativ dünne Oberfläche hat. Dadurch wird die Energie des Auftreffmoments – eben wie bei einem Trampolin – zurückgeschleudert und trägt zu den sehr langen Weiten bei.

Der Driver wird auch heute noch zu den sogenannten „Hölzern“ („Holz 1“) gezählt. Ein Überbleibsel der Golfgeschichte, weil sein Schlägerkopf früher aus Holz gefertigt wurde. Heute besteht der Schlägerkopf des Drivers jedoch, wie bei den anderen Hölzern auch, aus Metall.

Der Driver ist außerdem der Schläger mit dem geringsten Loft und dem größten Schlägerkopf im Bag. Dabei ist die Vielfalt an Driver-Modellen heute sehr groß. So gibt es Driver, bei denen sowohl die Neigung des Lofts verstellbar ist sowie die Ausrichtung der Schlagfläche (zum Beispiel für Spieler, die zum „Slice“ neigen).

Auch das Material des Schafts variiert von Modell zu Modell: Es gibt Griffe von „regular“ bis „soft“ und mit verschiedenen sogenannten „Flex Points“ – jenem Punkt, an dem der Schaft am weichsten ist und sich im Schwung biegt. Das Gewicht im Schlägerkopf lässt sich ebenfalls bei manchen Modellen verstellen – dies macht die Auswahl eines Drivers so individuell wie das eigene Spielverhalten. Wer dabei Hilfe benötigt, sollte sich am besten von einem Experten beraten lassen, der den persönlichen Schwung analysiert und berücksichtigt, etwa bei einem Schläger-Fitting.

Mythos „Driver-Schwung“

Doch was muss man eigentlich über den Schwung mit dem Driver wissen? Tatsächlich ist das Spiel mit dem Driver viel unkomplizierter, als manche Spieler – und vor allem Golf-Anfänger – glauben. Das hängt vor allem mit dem Mythos zusammen, dass der Driver einen „anderen Schwung“ benötige. Ein Grund, weshalb manche Golfspieler auch sagen, sie stünden „auf Kriegsfuß“ mit ihm oder müssten noch an ihrem „Driver-Schwung“ feilen.

Tatsächlich ist es aber genau dieser Gedanke an einen „anderen Schwung“, der das Spiel mit dem Driver maßgeblich beeinträchtigen kann!

Korrekt ist dagegen, dass der Driver wegen seiner Länge, seinem flacheren Lie-Winkel des Schlägerkopfes und insbesondere wegen eines Ballkontakts von unten ein anderes Setup benötigt. Anders als beim Eisen, wird der Ball für den Driver nämlich sehr hoch aufgeteet und vor dem niedrigsten Punkt der Schwungbahn von unten nach oben getroffen. Genau das verursacht bei einigen Spielern den gefühlten Eindruck, sie würden „anders“ schwingen – tatsächlich sind die Unterschiede im Bewegungsablauf aber moderat.

Driver und Eisen – Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Überblick

Der Driver

  • Griff: nicht zu fest; etwa 65% der maximalen Griffstärke
  • Ballposition: versetzt nach vorn/Richtung Ziel; auf Höhe der linken Ferse/Fußinnenseite
  • Teehöhe: hoch bis sehr hoch
  • Standposition: etwas breiter als hüftbreit; minimal weiter weg vom Ball als beim Eisen
  • Körperhaltung: leicht vorgeneigt und leichte Neigung der rechten Schulter Richtung Oberschenkel
  • Aufschwung: keine grundlegend andere Bewegung als mit dem Eisen – es entsteht aufgrund der Schlägerlänge automatisch ein etwas flacherer Rückschwung
  • Treffmoment: Oberkörper bleibt etwas hinter dem Ball
  • Ballkontakt: nach dem niedrigsten Punkt im Schwung; von unten nach oben

Das Eisen

  • Griff: etwa 65% der maximalen Griffstärke
  • Ballposition: mittig bis eine Ballbreite links (Richtung Ziel)
  • Teehöhe: normal
  • Standposition: etwa hüftbreit, eine Handbreite zwischen Schaft und Körper
  • Körperhaltung: leicht vorgeneigt, gerade ausgerichtet
  • Aufschwung: Oberkörper rotiert; Verlagerung des Gewichts in das vordere Bein
  • Treffmoment: Oberkörper ist mittig
  • Ballkontakt: vor dem niedrigsten Punkt im Schwung; erst Ball-, dann Bodenkontakt

Denkfehler vermeiden: Tipps für konstante Drives

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass der Schwung mit dem Driver keine grundlegend andere Bewegung im Vergleich zum Eisenschwung benötigt. Zu beachten sind lediglich ein paar wichtige Checkpunkte im Setup. Damit die Erfolgserlebnisse nicht ausbleiben, sind hier die wichtigsten Tipps für gut getroffene und konstante Drives im Überblick:

  • Der Ball wird hoch bis sehr hoch aufgeteet, damit er gut von unten getroffen werden kann – er liegt also höher als beim Eisen. Mindestens die obere Hälfte des Balles sollte den Driver-Schlägerkopf überragen.
  • Die Ballposition ist etwas weiter links als beim Eisen – etwa auf Höhe der linken Innenferse (für Rechtshänder).
  • Der Stand ist etwas breiter, doch nicht zu breit, damit die Gewichtsverteilung nicht erschwert wird.
  • Die Arme hängen entspannt nach unten, und der Oberkörper neigt sich ganz leicht zum rechten Oberschenkel.
  • Der Abstand zwischen Griffende und Oberschenkel beträgt etwa eine Handbreite.
  • Das Aufdrehen erfolgt wie gewohnt und sollte sich mit dem Driver nicht grundsätzlich anders als beim Eisen anfühlen, das Take-away kann aufgrund der Länge des Schlägers etwas flacher ausfallen.
  • Beim Aufschwung rotiert der Körper, und das Körpergewicht wird kraftvoll in das linke Bein verlagert.
  • Der Schläger kommt möglichst von innen an den Ball und trifft ihn mit der Mitte des Schlägerkopfes in der Aufwärtsbewegung.
  • Im Treffmoment ist der Oberkörper noch minimal hinter dem Ball.
  • Der Schwung erfolgt gleichmäßig und kraftvoll durch den Ball hindurch.
  • Im Idealfall wird eine hohe Schlägerkopfgeschwindigkeit erreicht, um dem Ball viel Energie mitzugeben!

Spielstrategie: Alternativen am Abschlag

Der Driver ist also weitaus weniger „kompliziert“, als es erscheinen mag, dennoch will seine Handhabung gut gelernt sein. Auch weil der Driver einen unsauberen Ballkontakt weniger „verzeiht“ als ein Eisen, was zu viel mehr abdriftenden Bällen („Slices“) führen kann.

Es lohnt sich deshalb vor allem beim Abschlag strategisch vorzugehen und über Alternativen zum Driver nachzudenken. Dafür sollte man vor allem das eigene Spielverhalten gut kennen und sich folgende Fragen stellen:

  • Welche Weiten erreiche ich mit welchem Schläger?
  • Mit welchem Schläger kann ich am konstantesten geradeaus schlagen?
  • Welche Flugkurve sollte mein Ball bei diesem Loch nehmen – gibt es zum Beispiel einen Bunker, an dem ich vorbeispielen möchte?
  • Wie weit ist es bis zum Loch – und mit wie vielen Schlägen plane ich bis zum Grün?

Kann man sich diese Fragen beantworten und kennt die eigenen Weiten, ist der Griff zum Driver plötzlich nicht mehr selbstverständlich. So kann es eine gute Alternativesein,den Abschlag mit dem Eisen oder Fairwayholz auszuüben, vor allem bei einer geringeren Entfernung zum Grün.

Ist das Loch zum Beispiel 220 Meter entfernt, und ein Spieler weiß, dass er oder sie mit dem 5er-Eisen recht zuverlässig rund 150 Meter konstant geradeaus spielt – dann kann ein Abschlag mit diesem Eisen strategisch klüger sein, als „ungenau“ mit dem Driver abzuschlagen und zu riskieren, im Rough zu landen oder einen provisorischen Ball spielen zu müssen.

Alternative Fairway-Holz

Das Gleiche gilt für die Fairway-Hölzer: Viele Golfspieler nutzen sie auf dem Platz nur für Transportschläge und erwägen sie gar nicht für den Abschlag. Das kann ein Fehler sein, vor allem wenn man noch keine sehr hohe Schlägerkopfgeschwindigkeit erreicht hat, die für den Driver aber notwendig ist. Genau dann kann nämlich ein Abschlag mit einem kürzeren Holz die bessere Wahl sein.

Zum Beispiel hat ein Holz 5 mit um die 16 Grad einen etwas höheren Loft als der Driver (zwischen 8 und 12 Grad). Dieser Loft trägt zu einem besseren „Launch Effekt“ bei und kann dabei helfen, den Ball besser hoch und gerade in die Luft zu bekommen – auch wenn man dafür vielleicht ein paar Meter einbüßt.

Dabei ist der Effekt auf das eigene mentale Spiel ebenfalls nicht zu unterschätzen! Denn ein sauber gerade und hochfliegender Ball steigert die Moral enorm, ganz im Gegensatz zu „missratenen“ Driver-Abschlägen. Nicht umsonst empfinden viele Spieler beim Abschlag den höchsten Druck. Denn niemand sieht seinen Ball gerne im Rough verschwinden – die Auswirkungen auf die Selbstsicherheit sind damit ebenfalls ein wichtiger Faktor bei der strategischen Schlägerwahl.

Das Fazit lautet also:

Auch wenn der Driver von vielen „missverstanden“ oder in seinem Schwung manchmal „zu kompliziert“ gedacht wird, er ist mitnichten immer die beste Wahl für den Abschlag. Je nach der individuellen Fähigkeit und Konstanz des Spielers, nach Weite oder der persönlichen Tagesform, kann ein Eisen oder Fairway-Holz, das man gut und sicher beherrscht, der bessere Ansatz sein. Und vor allem kann eine so klar durchdachte Strategie im Spiel für das Wichtigste sorgen: mit mehr Freude, Gelassenheit und gehobener Stimmung zum Grün zu kommen.

Abschlag mit Driver, Eisen oder Fairwayholz?

Die Checkpunkte:

Jeder liebt weite Abschläge – doch auf die maximale Weite zu gehen, ist nicht immer sinnvoll, vor allem wenn die eigenen Drives noch unkonstant sind. Dann können zwei sicher platzierte, mittellange Schläge konsequenter ans Ziel führen – und auch für das persönliche „Erfolgsgefühl“ besser sein.

Jede/r Spieler/in sollte wissen, mit welchem Schläger – relativ konstant – welche Weiten erzielt werden. Das macht das eigene Spiel planbarer und man kann den Weg zum Grün in „Sektionen“ aufteilen. Vielleicht bringt einen ja schon ein Abschlag mit einem hohen Eisen in die Nähe des Grüns?

Eine genaue Betrachtung des Platzes spielt bei der Schlägerwahl ebenso eine Rolle. Liegt etwa rechts in etwa 200 Meter Entfernung ein Bunker und ist dies leider die persönliche Drive-Landezone, ist es empfehlenswert, besser mit einem Eisen oder Fairway-Holz nicht ganz so weit, aber dafür sicher und geradeaus abzuschlagen.

Es hat geregnet und der Boden ist matschig, weshalb der Ball weniger rollen wird – auch solche Platzverhältnisse müssen bei der Schlägerwahl einbezogen werden. Für solche Fälle sollte man zum Beispiel den persönlichen Schläger mit der längsten konstanten Carry-Reichweite kennen und auswählen.

Ein Aspekt, den viele unterschätzen: „Misslungene“ Abschläge können hohen Stress auslösen! Wer am dritten Loch mit dem Driver abschlägt und zum dritten Mal im Rough landet, tut also gut daran, seine Strategie zu überdenken. Denn nichts kann zermürbender sein, als wiederkehrende Empfindungen des „Misserfolgs“. Wer aber die Schritte 1-4 berücksichtigt und sein Spiel kennt, kann auf gute Alternativen zum Driver zurückgreifen.

Autorin: Sabine Biskup, Freie Redakteurin

www.sabinebiskup.com

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