Die Golf-Etikette ist Teil eines jeden Platzreifekurses – doch wie präsent sind uns ihre Regeln und Absichten? Die Etikette soll für ein sportliches und sicheres Verhalten auf dem Golfplatz sorgen. Aber sie ist mehr als ein „Regelkatalog“. Sie ist auch ein „Social Code“, zu dem sich alle Golfspielenden bekennen, damit in einem guten, respektvollen Miteinander die Golf-Community (zusammen-)wachsen kann.
Ein Spiel gewinnt an Struktur
Die Geschichte der Golf-Etikette beginnt in der Mitte des 18. Jahrhunderts: In Schottland im Jahr 1744 beschloss die Vereinigung „The Gentlemen Golfers of Leith“ dem Golfspiel ein Regelwerk zu geben, um dem Spiel mehr Struktur zu verleihen. Zu dem Zeitpunkt spielte man Golf schon seit mehreren Hundert Jahren. Die Prinzipien der „13 Artikel“, die dabei entstanden, bilden bis heute die Grundlage für das Golfspiel, wie wir es kennen.
Der Golfsport hat sich seitdem stark weiterentwickelt, und seine Definition und Auslegung wurden immer komplexer. Deshalb wird heute in Golfregeln und die Golf-Etikette unterschieden. Beide Elemente sind Bestandteil eines Platzreifekurses und das aus gutem Grund: Die Golfregeln sorgen dafür, dass alle nach den gleichen Bedingungen spielen. So wird das Spiel fair und die Ergebnisse werden vergleichbar. Die Golf-Etikette regelt dagegen das sportliche Verhalten auf dem Platz.
Die Golf-Etikette: Ein Social Code
Über die Golf-Etikette rümpfen manche die Nase, weil sie an „starre“ Dresscodes denken oder sie für unnötig halten. Dabei ist die Golf-Etikette ein wichtiger sozialer Bestandteil des Golfspiels. Sie sorgt nicht nur dafür, dass umsichtig mit dem Golfplatz, sondern (vor allem) auch mit den Mitspielenden umgegangen wird. Es geht also nicht darum, Menschen in ein steifes Regelkorsett zum Selbstzweck zu zwingen – es geht um ein respektvolles Miteinander, damit alle mehr Spielfreude erleben.
Denn mal ehrlich: Wie gut gelaunt ist man noch, wenn der Ball in einem ungeharkten Bunker oder auf einem von Pitchmarken übersäten Grün landet? Wie sicher fühlt man sich, wenn man sich nicht darauf verlassen kann, dass andere Mitspielende den Warnruf „FORE“ rufen? Und wie entspannt kann man im Spiel bleiben, wenn Flightpartner glauben, ständig reden und belehren zu müssen?
Die Golf-Etikette schafft als „Social Code“ in diesem Zusammenhang nicht nur Verbindlichkeit für ein faires, sportliches Verhalten, sie gibt auch eine Handlungsorientierung. Denn sicher möchte niemand die Person sein, wegen der sich Flightpartner (im Stillen oder offensichtlich) die Haare raufen. Die Golf-Etikette etabliert damit eine Grundlage für die Golf-Community – sie macht den Sport für alle sicherer und stiftet ein Gemeinschaftsgefühl.

Was die Golf-Etikette regelt:
PUNKT 1 – Die Sicherheit
Der Warnruf „FORE“
Alle möchten sich auf dem Golfplatz sicher fühlen – denn ein Golfball auf Abwegen ist keine Kleinigkeit! Golfbälle können bis zu 300 km/h Geschwindigkeit erreichen und werden dadurch zu gefährlichen Geschossen. Schwere Verletzungen, sogar mit Todesfolge, sind möglich. Deshalb ist der Warnruf „FORE“ eine wichtige, vielleicht lebensentscheidende Regel der Golf-Etikette. Wer den Warnruf hört, sollte auch sogleich eine schützende Haltung einnehmen, den Kopf mit Händen bedecken und sich idealerweise ducken.
Abstand halten und nicht „in die Fersen“ spielen
Für mehr Sicherheit sorgt auch die Etikette, dass man erst einen Schlag macht, wenn vorherige Flights außer Reichweite sind. Diese wichtige Regel vermindert nicht nur die Verletzungsgefahr, es geht auch um Respekt und Rücksichtnahme. Denn niemand mag das Gefühl, wenn Bälle wenige Meter hinter einem aufschlagen – es kann für Stress, Unruhe und Unsicherheit sorgen. Ganz zu schweigen von der Angst, getroffen zu werden. Denn Hand aufs Herz: Wie viele Golfspielende können mit 100-prozentiger Gewissheit wirklich ihre Reichweite und Landezone vorhersagen? Besser und sicherer für alle: Abwarten und die grüne Aussicht genießen.
PUNKT 2 – Soziales Verhalten & Rücksichtnahme
Stille & keine Belehrungen
Immer wieder entstehen in Flights Spannungen oder sogar lautstarke Auseinandersetzungen. Wie kommt es dazu? Die Golf-Etikette kann das Entstehen von Konflikten verhindern – vorausgesetzt, alle halten sich daran. Eine der wichtigsten Regeln ist dabei das Stillsein, wenn jemand seinen Schlag vorbereitet. Dies bedeutet auch, von Belehrungen abzusehen, es sei denn, jemand hat um Hilfe gebeten. Ungewollte „Coachings“ haben schon so manche Spieler aus der Haut fahren lassen. Also lieber respektvoll schweigen, oder noch besser: Nur gelungene Schläge mit einem kurzen Lob bedenken – und schon hängt der Haussegen im Flight gerade.
Handyfreie Zeit
Es sollte selbstverständlich sein: Telefonate auf dem Golfplatz gelten als unerwünscht und unhöflich, ganz abgesehen davon, dass sie die Konzentration stören. Spielt man in einer Gruppe und ist ein Gespräch unerlässlich, kann man sich notfalls einige Meter entfernen. Doch im Allgemeinen verstößt die Ablenkung durch ein Handy gegen die Spieletikette der Ruhe. Dazu gehören auch Klingeltöne – daher am besten: Einfach mal das Handy (zumindest aber den Rufton) ausschalten und die handyfreie Zeit genießen!
Positionierung während andere spielen
Zu einem rücksichtsvollen Verhalten im Flight zählt auch die Frage, wo und wie man sich positioniert, während andere ihren Schlag vorbereiten. So sollte man immer parallel zum Mitspieler stehen, nicht hinter ihm, in seinem Schwungfeld oder in gerader Linie hinter dem Ball. All dies kann für Irritationen oder Ablenkung sorgen. Wenn der Spieler seinen Schlag vorbereitet, sollte respektvolle Stille herrschen und niemand hastige Bewegungen machen.
Verhalten auf dem Grün
Besonders wichtig ist das Verhalten auf dem Grün, schließlich werden hier die entscheidenden Schläge gemacht! So sollte man nie in die Puttlinie des Mitspielers treten und ihn nicht während der Vorbereitung des Putts ansprechen. Locht man selbst einen Putt nicht ein und sind noch andere Spieler an der Reihe, ist es außerdem umsichtig, unaufgefordert den eigenen Ball zu markieren und aufzuheben, damit er keine andere Puttlinie behindert. Was die Frage der Fahne angeht, gibt es keine feste Regel, aber individuelle Präferenzen: Wenn es ein Flightpartner wünscht, kann man sich in der Nähe des Lochs positionieren und die Fahne vor dem Schlag oder während der Ball rollt, aus dem Loch nehmen. Am besten klärt man im Vorfeld, was im Flight bevorzugt wird.
PUNKT 3 – Spielverhalten & Spieltempo
Platzschonendes Verhalten
Wie wir mit einer Sache umgehen, zeigt unseren Respekt. Das gilt auch für den Golfsport. Ein wertschätzendes Verhalten dem Golfplatz gegenüber ist nicht nur eine bloße Höflichkeit, es drückt auch aus, dass man sich der Golf-Community zugehörig und für die Anlage mitverantwortlich fühlt. Den Platz zu schonen ist respektvoll dem Golfclub mitsamt Greenkeepern sowie den Mitspielenden gegenüber. Es sorgt nicht zuletzt dafür, dass alle unter guten Bedingungen spielen können – und nicht aus zentimetertiefen Löchern auf dem Fairway oder ungeharkten Bunkern.
Zu den wichtigsten Regeln der Golf-Etikette zum platzschonenden Spiel gehören:
- Das Vermeiden von Beschädigungen des Golfplatzes bei Probeschwüngen, etwa indem man nicht mehrere Schwünge macht und dabei immer wieder Divots schlägt.
- Unebenheiten und Fußabdrücke im Sandbunker sollten immer mit den dafür vorgesehenen Bunkerharken eingeebnet werden. Die Harken werden in den Bunker zurückgelegt. Dabei sollte man die Harke mit dem Griff an die Kante legen.
- Divots (herausgeschlagene Rasenstücke) auf dem Fairway werden immer zurückgelegt und festgetreten. Dies gilt nicht für die Abschläge.
- Auf dem Grün werden Pitchmarken (Einschlaglöcher durch Bälle) oder massivere Schäden durch Spikes ausgebessert. Eine Pitchgabel ist zu diesem Zweck immer mit dabei!
- Fahnenstangen werden ins Loch zurückgesteckt, ohne den Lochrand zu beschädigen. Ebenso stützt man sich nicht auf Fahne oder Schläger und beschädigt dabei das Grün.
Zügig spielen und schnellere Flights vorlassen
Ein häufiger Stein des Anstoßes auf dem Golfplatz ist „das Trödeln“ – denn zur Golf-Etikette gehört das Gebot, zügig zu spielen. Wichtig dabei: Dies bedeutet nicht, dass man andere Flights bedrängen oder lautstark kritisieren darf. Es gilt, mit Augenmaß und Respekt vorzugehen. Eine gute Etikette beinhaltet, dass ein schnellerer (oder viel kleinerer) Flight von der vorausgehenden Spielergruppe vorgelassen wird. Eine respektvolle Kommunikation ist dabei unerlässlich, so kann ein schnellerer Flight am Abschlag oder auf dem Platz vorgelassen werden, indem sich der vorherige Flight an den Rand stellt. Weitere Regeln für ein zügiges Golfspiel sind:
- Man spielt auf dem Platz nie mit mehreren Bällen.
- Zwischen zwei Schlägen bewegt sich ein Flight ohne unnötige Verzögerungen vorwärts.
- Das Ballsuchen beschränkt sich auf 5 Minuten. Golfspieler, die einen Ball suchen, können einen nachfolgenden Flight auch ein Zeichen zum Überholen geben.
- Vor dem Putten werden die Golfbags am Rand des Grüns auf dem Weg zum nächsten Abschlag abgestellt, damit das Grün schnell wieder freigegeben werden kann.
- Nach dem Putten wird das Grün umgehend verlassen. Das Ergebnis eines Lochs wird von allen Spielern auf dem Weg zum nächsten Loch oder am nächsten Abschlag notiert.
PUNKT 4 – Die Kleiderordnung
Was sollte man auf dem Golfplatz anziehen? Diese Frage kann aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Manche halten eine klassische Kleidungsetikette für wichtig, weil sie zum Golfsport dazugehört und Verbundenheit schafft. Andere sprechen sich für eine legere Golfkleidung aus. Fakt ist: Die Kleiderordnung regelt jeder Golfclub individuell. Wer sicher gehen möchte, informiert sich also beim Golfclub seiner Wahl vorab.
Jedoch ist in den meisten Golfclubs immer noch ein gewisses Mindestmaß an Etikette bei der Kleiderwahl vorgesehen, viele bevorzugen dabei eine klassische Auslegung.
Zur klassischen Kleidungsetikette im Golfsport gehören etwa folgende Punkte:
- Männer tragen Poloshirts bzw. Hemden mit Kragen oder Rollkragen. Kurze Hosen reichen bis zu den Knien (Bermudas).
- Bei Damen sollten kragenlose Hemden und Tops über Ärmel verfügen. Ärmellose Shirts und Tops müssen einen Kragen haben. Der Ausschnitt muss maßvoll sein. Rückenfreie Oberteile sind nicht erwünscht. Golfröcke sind gestattet
- Blue Jeans oder Jogginghosen sind nicht erlaubt.
- Auf dem Golfplatz sind Golfschuhe mit Softspikes oder Noppen gerne gesehen. Turnschuhe und Sandalen sind in der Regel nicht gestattet – vor allem bei Sneakern wird heute aber oft ein Auge zugedrückt.
Wie regelt GOLF absolute die Kleiderordnung?
Myriel Weiland, GOLF absolute Head of Marketing
Ausgehend von unserer Grundhaltung, dass Golf für Respekt, Fairness und Stil steht – heute aber ebenso für Individualität und Zeitgeist –, legen wir bei GOLF absolute die Kleiderordnung bewusst nicht im klassischen Sinne aus. Moderne Golfmode vereint Funktionalität mit Persönlichkeit. Deshalb ist bei uns sowohl klassische Golfkleidung jederzeit willkommen als auch eine zeitgemäße Interpretation mit Sneakers, Hoodies oder regulären T-Shirts. Wir wahren den Respekt vor dem Sport und geben unseren Spielern zugleich Raum, über ihre Kleidung Persönlichkeit auszudrücken – ohne sich verkleidet zu fühlen. Genau deshalb entscheiden wir uns bewusst für eine aufgelockerte, moderne Variante des Dresscodes.
Eine gute Etikette – für eine starke Community
Betrachtet man die wichtigsten Elemente der Golf-Etikette ganzheitlich, zeigt sich, dass sie vor allem auf ein gutes, umsichtiges Miteinander einzahlt und so eine Community schafft, in der respektvolles Verhalten zur Richtschnur wird. Sie ist weder „überholt“ noch „altmodisch“ oder gar unnötig. Sie liefert für alle, die den Golfsport lieben, ein Regelwerk, das Orientierung und Sicherheit bietet. Sie ist eine Übereinkunft zu einem bestimmten Verhalten im Golfsport, sodass alle diesen mit Freude ausüben können. Die wichtigsten Elemente der Golf-Etikette sind damit im Kern:
- Zeige ein regelkonformes Spielverhalten, damit alle sicher und mit Freude am Golfspiel teilhaben können.
- Sei respektvoll und wertschätzend, sowohl in der Kommunikation mit anderen als auch im Verhalten auf dem Platz.
- Behandle den Golfplatz und die gesamte Anlage schonend und trage mit deinem Verhalten zur Pflege und Instandhaltung bei.
- Last but not least: Höflichkeit gewinnt immer. Im Zweifelsfall ist Zurückhaltung oder eine Nachfrage besser, als im Halbwissen zu handeln.
Für eine Auffrischung der Golf-Etikette oder bei konkreten Fragen ist auch immer der Golfclub eine ideale Anlaufstelle: Er liefert Hilfe und Aufklärung zu spezifischen Fragen, etwa zu individuellen Platzregeln oder zur Kleiderordnung. Außerdem bieten viele Clubs Auffrischungskurse für Golfregeln und Golf-Etikette an. Auch der Golf Pro des Vertrauens kann mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wer sich bemüht, die Golf-Etikette zu befolgen, trägt so dazu bei, den Golfsport zu fördern und die Golf-Community zusammenwachsen zu lassen.
Autorin: Sabine Biskup, Freie Redakteurin
www.sabinebiskup.de


