Das Kurzspiel gut zu beherrschen ist wichtig und entscheidend für einen erfolgreichen Score – das ist jedem Golfspielenden klar. Trotzdem trainieren viele stundenlang ohne Strategie auf der Driving Range. Dabei sind die „Laborbedingungen“ auf der Range trügerisch, denn auf dem Platz stellen uns unebene Böden, Hanglagen, Bälle im Rough oder Bunker vor Herausforderungen. Mit unseren Tipps könnt ihr euer Kurzspiel effektiv trainieren.
Im Kurzspiel punkten
Jeder, der schon mal auf der Range stand, kennt dieses Glücksgefühl: Man trifft sauber mit dem Driver und der Ball verschwindet in der Ferne. Bestimmt wird in diesem Moment mehr des „Belohnungshormons“ Dopamin ausgeschüttet als bei einem kurzen Chip aufs Grün. Dennoch ist das Kurzspiel entscheidend. Denn ein 200-Meter-Drive bringt wenig für den Score, wenn man danach vier Schläge bis aufs Grün und noch drei Putts braucht. Profis wissen, dass sie ihr Par durch ein starkes Kurzspiel „retten“ können, Amateure verlieren es hier häufig.
Was ist das Kurzspiel & wie trainiert man es richtig?
Unter dem „kurzen Spiel“ verstehen wir alles, was sich grob innerhalb von 100 Metern bis zur Fahne abspielt. Dazu zählen die kurzen Annäherungsschläge und die Putts. Statistisch betrachtet, entfallen mehr als die Hälfte aller Schläge einer Runde auf das Kurzspiel. Das zeigt, wie wichtig ein starkes Kurzspiel ist, denn es kann „Schwächen“ im Abschlag oder auf dem Fairway ausgleichen. Zum Kurzspiel gehören die folgenden Schlagarten:
- Der Pitch: Ein Schlag, der mit einem Wedge ausgeführt wird – dadurch bekommt der Ball eine steilere Flugkurve und landet mit weniger Roll.
- Der Chip: Ein flacher Annäherungsschlag mit viel Roll, der meistens angewendet wird, um direkt aufs Grün zu kommen.
- Der Bunkerschlag: Wird mit dem Sand Wedge ausgeführt, um den Ball aus dem Bunker zu
- Der Putt: Mit ihm wird der Score gesichert oder vermiest – der finale Schlag ins Loch.



Trainingstipps für das Kurzspiel
TIPP 1 – Regelmäßigkeit schlägt Intensität
Für das Training des Kurzspiels gilt vor allem: Regelmäßigkeit ist Trumpf! Denn wegen der verschiedenen Schlagarten ist das kurze Spiel (inkl. der Putts) technisch vielseitiger als der Abschlag oder Schläge vom Fairway. Schließlich muss man im Kurzspiel auch Aspekte wie unterschiedliche Untergründe und Balllagen sowie Entfernungen genau einschätzen und nach ihnen die Schlägerwahl treffen können.
Deshalb ist für ein technisch versiertes Kurzspiel ein regelmäßiges Training unerlässlich. Nur so lassen sich Wissen und Schlagtechniken festigen und verschiedene Situationen kennenlernen. Durch regelmäßiges Trainieren hat man zudem genug Zeit, um mit den verschiedenen Schlägern und Schlagarten zu experimentieren. Daher gilt: Lieber zwei- bis dreimal pro Woche 30 Minuten üben, als nur einmal im Monat eine Marathon-Session hinzulegen.
TIPP 2 – Eine Trainingsroutine festlegen
Geht man ohne festen Trainingsplan auf den Platz, kann es schnell passieren, dass sich alte Gewohnheiten durchsetzen. Und schon steht man wieder auf der Range, schlägt 2-3 Ballkörbe und geht nach Hause. So sieht jedoch kein effektives Kurzspiel-Training aus. Besser ist es, eine feste Trainingsroutine zu etablieren, die man 2-3 Wochen absolviert, bis man sie variiert – oder sich in einer Stunde beim Golfpro Tipps zu weiteren Schritten geben lässt.
In seine Routine sollte man alle Möglichkeiten einbinden, die der Golfclub bietet. Vor allem heißt das: Runter von der Matte und ab auf die Übungsgrüns und den Kurzplatz. Schließlich kommen diese Situationen denen auf dem Großplatz näher: Boden und Gras haben unterschiedliche Beschaffenheiten, man muss sich ausrichten, die Entfernung zum Loch einschätzen und je nach Situation einen Schläger wählen.
Eine Trainingsroutine für das Kurzspiel kann zum Beispiel so aussehen:
- 15 Minuten Putten – kurze, dann lange Putts zum warm werden
- 15 Minuten Chippen – um den Schwungradius langsam zu erweitern
- 15 Minuten Pitchen – mit verschiedenen Wedges und Notieren der Weiten
- 15 Minuten im Bunker – und dabei versuchen, unterschiedlich steile Flugkurven zu erreichen
- 30-40 Minuten auf dem Kurzplatz – um das Gelernte auf dem Platz abzurufen
- 15-30 Minuten Dehnen – idealerweise im Fitnessbereich
TIPP 3 – Erkenntnisse notieren
Wenn man sein Kurzspiel verbessern möchte, ist es wichtig zu wissen, wo man steht und welche Schläge oder Situationen herausfordernd sind. Für ein strategisches Training sind Notizen zu den eigenen Erkenntnissen daher unverzichtbar! Ob man ins Handy spricht, die Notizen eintippt oder sich in einen Block notiert, man sollte sich zu jeder Schlagart einige Punkte aufschreiben – und das bei jeder Trainingseinheit.
Folgende Fragen können für die Notizen gestellt werden:
- Beim Putten: Wie viele Putts brauche ich bei der Distanz 1 Meter, 3 Meter, 5 Meter, 8 Meter bis zum Einlochen? Was muss ich intensiver trainieren: Längen- oder Richtungskontrolle? Wie gut gelingt mir das Lesen des Grüns auf einer Skala 1-10?
- Beim Chippen: Wie nah an die Fahne schaffe ich es bei Chips von 3 Metern, 5 Metern und 8 Metern Entfernung? Wie viele von 10 Bällen schaffe ich in einem Radius von 30 Zentimetern an die Fahne zu spielen? Wie sauber sind meine Ballkontakte?
- Beim Pitchen: Mit welchem Wedge erreiche ich welche Weiten? Wie gezielt ist mein Ballflug? Wie viele von 10 Bällen schaffe ich an eine Fahne zu spielen (und mit welchem Schläger gelingt es mir am besten)?
- Im Bunker: Wie viele Schläge brauche ich im Schnitt, um aus dem Bunker zu kommen? Wie oft treffe ich den Ball sauber? Gelingen mir unterschiedlich steile Flugkurven?
TIPP 4 – Experimentieren und Schläger kennenlernen
Ein effektives Kurzspiel-Training beinhaltet auch, die eigenen Schläger besser kennenzulernen. Nur dann kann man auf dem Platz in jeder Situation selbstsicher in den Bag greifen. Die Notizen aus dem Training helfen, dieses Wissen festzuhalten. Experimentiert im Training zum Erreichen derselben Fahne mit unterschiedlichen Schlägern, zum Beispiel um zu erfahren, ob ihr am besten mit dem Pitching Wedge oder dem 9er-Eisen eine bestimmte Landezone erreicht. Und nicht jeder Ball rund ums Grün braucht ein Lob Wedge – vielleicht ist ein einfacher Chip mit dem 9er-Eisen die bessere Wahl?
Nur durch das Experimentieren im Training lässt sich dies herausfinden. Man sollte also bewusst verschiedene Schläger testen, um zu erfahren, womit man sich in welcher Situation am wohlsten fühlt. Wer so seine Schläger und auch „Schwachstellen“ kennt, kann später auf dem Platz souverän handeln und gezielt weitertrainieren. Abwechslung bringt Sicherheit.
TIPP 5 – Hilfe und Feedback vom Pro
Chippen, Pitchen, Putten – und der gefürchtete Bunker. Das Kurzspiel steckt voller Momente des „Nervenkitzels“. Deshalb ist es besonders wichtig, eine gute Technik der verschiedenen Schlagarten zu beherrschen. Das Training mit einem Golfpro (oder einer Proette) ist wegen dieser Komplexität ratsam. Doch ein Fehler, den heute viele machen, ist das „autodidaktische Training“ – oft mithilfe von YouTube-Tutorials oder TikTok-Reels.
Was dabei vergessen wird, ist die Individualität eines jeden Menschen: Denn jeder Golfspielende ist anders, ob hinsichtlich der Anatomie, des Bewegungsumfangs, der Spielerfahrung, der Gesundheit und Gelenkigkeit. Nicht jeder Tipp und jede technische Umsetzung ist also für jeden gleich umsetzbar. Außerdem überschätzen leider viele ihre Fähigkeit, die eigenen Schwachstellen zu entdecken – ein Golfpro hat dafür ein geschultes Auge.
Die Vorteile des Trainings mit einem Golfpro sind zahlreich, zum Beispiel kann er oder sie:
- eine individuelle Einschätzung und Korrekturen geben, perfekt abgestimmt auf die Person
- unterschiedliche Drills und Übungen empfehlen, je nach dem, was ein Spieler erreichen möchte
- helfen, einen strategischen Trainingsplan und aufeinander aufbauende Schritte zu definieren
- bei regelmäßigem Training fundiertes Feedback zu den Entwicklungen geben
- Fehler rechtzeitig erkennen und gegensteuern, damit sich falsche Bewegungsmuster nicht festigen
Diese Punkte verdeutlichen, dass ein regelmäßiges Training mit einem Golfpro effektiver ist und auch Zeit spart, im Vergleich zum stundenlangen Üben allein, im Versuch die eigenen Fehler zu finden.
Abwechslung auf dem Kurzplatz
Wer diese Tipps berücksichtig, wird schnell merken, dass er in seinem kurzen Spiel besser wird. Kurzplätze sind dabei wahre Goldgruben für das Training. Wenn es auf dem Platz ruhiger ist, kann man sich bewusst die Zeit nehmen, von einer Lage aus unterschiedliche Wedges zu testen. Am besten macht man sich dabei Notizen zu Ballflug und Rollverhalten. Auf dem Kurzplatz lassen sich auch unterschiedliche Balllagen ausprobieren – so kann man den Ball mal absichtlich ins Rough oder in einen Bunker (wenn vorhanden) legen.
Besonders optimal ist es, viele verschiedene Kurzplätze zu spielen, denn jeder Kurzplatz ist anders. Genau darin liegt der große Lerneffekt. Wer mehrere Anlagen besucht, erweitert seine Spielerfahrung und wird deutlich kreativer rund ums Grün. Außerdem kann einen nach so viel Spielpraxis weniger auf der 18-Loch-Runde aus der Ruhe bringen. Erfahrung auf dem Platz ist immer noch das beste Mittel gegen Nervosität und Aufregung. Besucht also verschiedene Kurzplätze, um euer Repertoire und eure Anpassungsfähigkeit zu schulen – so wird euer Kurzspiel vertieft.

Fazit: Ein starkes Kurzspiel macht glücklich
Das Kurzspiel macht nicht nur den Großteil einer Golfrunde aus, es ist aufgrund seiner Vielzahl von Schlagarten und Situationen auch technisch sehr anspruchsvoll. Dieser Aspekt macht ein regelmäßiges, vielseitiges Training, am besten begleitet durch einen Golfpro, unverzichtbar. Fühlen wir uns im Kurzspiel sicher, wird auch unsere mentale Stärke verbessert. Das Kurzspiel zu trainieren ist damit nicht nur der Schlüssel zu einem konstanten Golfspiel und einem guten Score – es führt auch zu mehr Spielfreude und Souveränität.
Autorin: Sabine Biskup, Freie Redakteurin
www.sabinebiskup.de


