Ein starkes Kurzspiel gilt als der entscheidende Faktor, um das persönliche Handicap zu verbessern. Denn wer möglichst gut platzierte Annäherungsschläge ausführen kann, kommt auch dem ultimativen Ziel näher: nämlich anschließend mit ein bis zwei Putts einzulochen. Was die wichtigsten Unterschiede der Annäherungsschläge Chip und Pitch sind und wann welcher die sinnvollere Wahl ist, fassen wir im zweiten Teil der Golf Essentials zusammen.

Mit dem Chip und dem Pitch gibt es im Golfsport zwei Arten von Annäherungsschlägen. Prinzipiell kann man dabei sagen, dass es viele Situationen gibt, in denen beide Schlagarten anwendbar sind. Schließlich spielen auch immer die individuellen Fähigkeiten eines Spielers eine Rolle und wie er oder sie glaubt, die Distanz zum Grün am besten bewältigen zu können. Dennoch gibt es einige Faktoren, die den Chip oder den Pitch zur naheliegenden Wahl machen können.

Der Chip – kurzer Flug, längeres Rollen

Der Chip gilt allgemein in der Ausführung als der einfachere Annäherungsschlag. Denn beim Chippen wird der Bewegungsradius kleiner gehalten als beim Pitch. Außerdem wird der Hebel Handgelenk außer Acht gelassen, da die Handgelenke gerade bleiben und nur die Arme eine Pendelbewegung ausführen und man aus der Hüfte rotiert – diese Kombination sorgt dafür, dass der Chip als besser kontrollierbar gilt, was die Landezone des Balls betrifft.

Betrachtet man das Flug-Roll-Verhältnis, handelt es sich beim Chip um einen Schlag, bei dem der Ball eher kurz fliegt und dann länger ausrollt. Damit eignet er sich besonders für Situationen mit geringerer Distanz zum Loch, zum Beispiel wenn es noch fünf bis fünfzehn Meter entfernt ist. Auch relativ ebene Platzverhältnisse sprechen für den Chip, etwa wenn der Ball ohne Hindernisse oder größere Unebenheiten wie Bodenwellen bis weit auf das Grün ausrollen kann oder wenn sich die Fahne weiter hinten im Grün befindet.

Checkpunkte für den Chip

  • Eine relativ kurze Distanz bis zum Loch, etwa bis 15 Meter
  • Ebene Platzverhältnisse, die ein längeres Ausrollen ermöglichen
  • Kein matschiger oder vereister Boden, auf dem ein Ball schlechter rollen kann
  • Eine Fahne weiter hinten im Grün, mit langem, ebenem Rollweg
  • Keine Hindernisse am Boden
  • Hindernisse in der Flugbahn, wie tiefhängende Äste, da der Chip flacher spielbar ist

Der Pitch – länger im Flug, kurzes Rollen

Der Pitch ist ein hoher Annäherungsschlag auf das Grün, der nur kurz ausrollen soll, was eine steilere Flugbahn nötig macht. Er wird im Vergleich zum Chip mit einem größeren Schwungradius ausgeführt. Dies beinhaltet einen stärkeren Einsatz des Oberkörpers, außerdem kommen hier die Handgelenke zum Einsatz, die im Rückschwung – nahezu von allein durch die weitere Drehung – angewinkelt werden.

Da der Pitch höher fliegt, ist er als Annäherungsschlag sinnvoll, wenn größere Hindernisse vor dem Grün überspielt werden müssen, etwa ein Bunker oder ein Wasserhindernis. Aufgrund seiner steileren Flugbahn ist der Pitch außerdem für weitere Distanzen zum Grün geeignet, so beginnt eine „klassische“ Entfernung für einen Pitch für viele Spieler ab etwa 20 Metern bis zum Loch.

Weil der Ball beim Pitch lange fliegt und nur kurz ausrollt, ist der Schlag auch bei unebenen Platzverhältnissen dem Chip vorzuziehen, zum Beispiel wenn der Ball durch ein längeres Rollen aufgrund von Steigungen oder Neigungen seine Ziellinie zu verlassen droht. Auch ein matschiger oder vereister Boden macht die weitere Flugbahn des Balls beim Pitch attraktiv.

Checkpunkte für den Pitch

  • Eine mittlere bis weite Distanz bis zum Loch (etwa ab 15 Meter)
  • Hindernisse am Boden, die überspielt werden müssen, wie Bunker, Wege oder Wasserhindernisse
  • Unebene Platzkonturen, also Neigungen oder Hügel, die ein Rollen unvorteilhaft machen
  • Matschiger Boden, der den Ball ausbremsen oder „schlucken“ würde
  • Eine freie Flugbahn ist vorhanden (aufgrund der steilen Flugkurve)

Faktor Spielerfahrung bei der Schlagwahl

Zusammenfassend sind also vor allem Hindernisse und Platzbedingungen wie unebene oder sehr nasse Bodenverhältnisse entscheidend, um sich eher für eine längere Flugbahn und damit den Pitch zu entscheiden. Auch eine weitere Distanz ruft für viele Spieler den Pitch auf den Plan – doch gerade, was diesen Aspekt angeht, lohnt es sich, näher hinzuschauen.

Denn neben dem Faktor Distanz spielt auch die individuelle Spielerfahrung eine große Rolle, das heißt konkret, welcher Annäherungsschlag von dem Spieler oder der Spielerin besser beherrscht wird. So kann der Chip, eben weil er als einfacher zu platzieren gilt, gerade bei Distanzen um die 20 Meter bis zum Loch für viele die optimale Wahl sein, weil er durch die genaue Platzierung einen Chip-Putt wahrscheinlicher macht.

Es ist also klug, die eigenen Fähigkeiten und auch die Tagesform in die Überlegungen zur Schlagwahl mit einzubeziehen. Und auch der Wohlfühlfaktor ist nicht zu vernachlässigen. Denn wer sich mit dem Chip sicher fühlt – beim Pitch aber nervös wird oder sich nicht für ein Wedge entscheiden kann – wird mit dem Chip, ausgeführt mit einem gut beherrschten Eisen, entspannter in der wichtigen Schlussphase eines Lochs agieren. Welcher Schlag und welcher Schläger gewählt werden, wird damit vor dem Hintergrund der eigenen Fähigkeiten und des mentalen Spiels auch zu einer sehr individuellen Entscheidung.

Der richtige Schwunggedanke beim Pitch

Dass der Pitch anspruchsvoller ist und häufiger als der Chip unsauber getroffen wird, hängt neben dem komplexeren Bewegungsablauf auch mit dem Schwunggedanken zusammen. Denn weil der Pitch eben eine höhere Flugbahn hat, schleicht sich bei manchem Spieler die Vorstellung ein, beim Pitchen müsse man mit dem Schläger „unter den Ball“ kommen und diesen „in die Luft heben“.

Doch dieser Gedanke kann leider zu einer schlechteren Trefferqualität führen, indem nicht der benötigte Ball-Boden-Kontakt zustande kommt (und der Ball durch den Loft des Schlägers in die Höhe steigt), sondern zuerst der Boden getroffen wird. Dies hat dann zur Folge, dass die Sohle des Schlägers im Boden „hängen bleibt“ und kein sauberer Ballkontakt gelingt. Umso wichtiger ist es also beim Pitch, eine saubere Technik mit einer klugen Schlägerwahl zu verbinden.

Die Techniken im Überblick: Chip vs. Pitch

Schmaler bis hüftbreiter Stand

Das Gewicht liegt etwa zu 60 Prozent auf dem linken Bein, der Körper kann auch leicht nach links geneigt werden

Der Ball liegt mittig, die Hände sind vor dem Ball

Die Arme führen eine Ein-Hebel-Bewegung aus, das heißt eine kleine bis mittlere Pendelbewegung aus dem Oberkörper, bei der die Handgelenke gerade bleiben

Das Verhältnis von Rückschwung zu Durchschwung ist ca. 1/3 zu 2/3, dabei bleibt das Gewicht eher links

Im Durchschwung erfolgt eine Drehung aus der Hüfte Richtung Ziel

Hüftbreiter Stand

Das Gewicht liegt etwa zu 55 Prozent auf dem linken Bein, das Brustbein ist so minimal vor dem Ball

Der Ball liegt mittig

Es wird eine Zwei-Hebel-Bewegung ausgeführt, das heißt im Aufschwung wird der Oberkörper aufgedreht, die Arme bleiben am Körper und die Handgelenke werden angewinkelt

Das Gewicht bleibt in der Bewegung eher links, mit Ball-Boden-Kontakt im Durchschwung

Aufschwung und Durchschwung sind gleichmäßig in der Länge (1:1)

Die Schlägerwahl beim Chippen

Wie bereits erwähnt, hängt die Schlägerwahl für Chip und Pitch auch stark von den individuellen Fähigkeiten und Trainingserfahrungen ab. Doch es gibt einige Faustregeln: So lässt sich sagen, dass es für den Chip – also Schläge mit einer geringeren Flughöhe – sinnvoller ist, zu einem Schläger mit weniger Loft zu greifen. Je flacher man den Ball beim Chip spielen kann, desto besser, einfach weil flache Schläge exakter zu platzieren sind. Viele Golflehrer empfehlen daher, dass man sich das Leben nicht unnötig schwer machen und für den Chip zu dem Eisen oder Holz greifen sollte, mit dem man sich am sichersten fühlt. Denn wenn es kein Hindernis zu überspielen gibt, ist ein hoch gespielter Ball und damit ein Schläger mit höherem Loft wie Sand Wedge oder Pitching Wedge, die einen genaueren Treffmoment benötigen, einfach nicht notwendig. Die Wedges können für viele Spielerinnen und Spieler beim Chip also die unnötig „kompliziertere“ Wahl sein.

Welcher Schläger für den Pitch

Auch beim Pitch spielt die individuelle Spielerfahrung eine wichtige Rolle für die Wahl eines geeigneten Schlägers. Doch ebenso bedeutsam ist die Frage, wie gut man seine Weiten mit welchem Schläger kennt. Prinzipiell kommen für den Pitch in der Regel die kurzen Eisen wie etwa das Eisen 8 oder das Eisen 9 sowie die Wedges zum Einsatz (Pitching Wedge, Sand Wedge, Lob Wedge), die mit verschiedenen Lofts erhältlich sind.

Da jedoch die Weiten für einen Pitch sehr stark variieren können – von zum Beispiel 20 bis an die 100 Meter zum Loch – und auch die Größe von Hindernissen wichtige Faktoren sind, kann, ist hier bei der Schlägerwahl vor allem eine gute Kenntnis der eigenen Schlagweiten wichtig. Wie weit kann ich konstant mit welchem Schläger schlagen? Was ist damit hier für mich die klügste Wahl? Diese Fragen beantworten zu können, ist ausschlaggebend. Eine Hilfe kann es sein, beim Training und auf verschiedenen Runden die eigenen Weiten mit den Schlägern und Schlagarten zu notieren oder in einer App festzuhalten – dann können die persönlichen Weiten für eine optimale Schlägerwahl als Grundlage dienen.

Generell ist außerdem zu beachten, dass man auch beim Pitch zu dem Loft greift, das man möglichst gut und sicher beherrscht. Am besten man wählt das Loft so hoch wie nötig (etwa um ein bestimmtes Hindernis zu überspielen) und so niedrig wie möglich. So ist der Schläger mit dem höchsten Loft, das Lob Wedge (58 bis 64 Grad), besonders anspruchsvoll zu handhaben, weil der hohe Loft einen sehr exakten Treffmoment benötigt, um eine saubere Flugbahn zu erzielen. Ob dieser Schläger also wirklich nötig ist oder ein Pitching Wedge (mit 47 bis 52 Grad) nicht ausreicht, sollten Spieler vor dem Hintergrund ihrer eigenen Spielerfahrung wissen und dann den Schläger wählen, der für sie eine optimal platzierte Annäherung an das Grün verspricht.

Fazit: Chip oder Pitch?

Die Distanz ist zwar nicht der einzige, aber dennoch ein wichtiger Faktor für die Entscheidung, ob man einen Chip oder Pitch ausführt. Als Faustregel gilt der Chip für kürzere Annäherungsschläge mit längerer Rollbahn (etwa bei insgesamt 15 Metern bis zum Loch), der Pitch eignet sich für weitere Annäherungsschläge mit längeren, steilen Flugkurven, bei denen der Ball schneller auf dem Grün liegen bleibt.

Sind auf dem Weg zum Grün unebene Platzverhältnisse etwa viele Hügel? Ist der Boden nass oder matschig? Oder macht ein Hindernis ein Ausrollen unmöglich? Solche Platzbedingungen sprechen eher gegen den Chip und für einen Pitch, damit schwieriges Gelände überspielt wird. Ein Chip kann dagegen beispielsweise bei einem Loch weiter hinten im Grün sinnvoll sein, wenn eine lange, ebene Rollbahn vorhanden ist.

Die Frage, welche Weite man mit welchem Schlag besonders sicher erzielen und vor allem gut platzieren kann, kann zum Entscheidungsfaktor in der Frage Chip oder Pitch werden. Dies gilt vor allem bei mittleren Distanzen wie etwa 20 Metern bis zum Grün, eine Distanz, die mit dem Chip noch gut erreicht und oft genauer platziert werden kann, was ihn zum „risikoärmeren“ Schlag macht. Bei größeren Distanzen, die einen Pitch erfordern, sind solide Erfahrungswerte mit den verschiedenen Schlägern unerlässlich für die optimale Schlägerwahl.

Das könnte Sie auch interessieren >>> Golf Essentials Beitrag: Driver oder Eisen

Autorin: Sabine Biskup, Freie Redakteurin

www.sabinebiskup.com

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